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July 24 2012

scallo
17:17

Kleiner Rant gegen identitäre Warenkunde

Vorab: Das ist ein Rant. Gut und tief analysiert ist er nicht :)
Eigentlich ist natürlich alles ganz anders verursacht.

In letzter Zeit fällt mir immer häufiger auf, wie oft Menschen das identitäre Element eines Produktes als dessen Hauptfunktion begreifen und die technische nicht mehr von der identitären Funktion trennen. Und das stört mich massiv!

Herr Urbach beschwert sich, irgendwelche Thinkpadjünger_innen führen ihn wegen seiner Apple-Hardware an. Ich kann ihn gut verstehen. Obwohl ich das hier auf einem Thinkpad schreibe. Und auch wieder eines kaufen würde (hach, ein X220 mit IPS wäre toll).
Chandro meinte im persönlichen Gespräch auf die Frage nach technisch ordentlichen Fremdherstellerakkus für Apple Notebooks und Lenovo Thinkpads, dass es ökonomischer Unsinn wäre, in ein 2500 € Geräte einen 30 € Akku zu stecken, um etwas Geld zu sparen.
Qoodoo verweigerte mir vor Monaten, die Spezialschrauben eines iPhone 4 auszutauschen. Und zwar, weil ich danach kein Original-Ersatzteil einbauen würde. Wohlgemerkt selber einbauen würde. Als gelte es die Reinheit des Produktes gegen meinen eigenen Willen zu bewahren. Nicht, dass ich es von Qoodoo mit meinem Ersatzteil machen lassen wollen würde. Das könnte ich auch nachvollziehen, für ein schlechtes Ersatzteil würde ich auch nur ungern haften wollen.

Nein, da erzählt mir der Mensch hinter der Theke davon, dass ich ja in einen Mercedes auch keine chinesische Wasserpumpe einbauen würde. Auf meine Erwiderung, dass die typischen Fremdherstellerautoteile aus Deutschland und der Türkei kämen und dass es sicherlich tausende Mercedes-Autos mit Fremdherstellerwasserpumpen in Berlin gäbe und es ja eigentlich auch völlig irrelevant wäre, wer die Pumpe hergestellt hat, solange sie sich nur montieren ließe und ordentlich pumpen würde.

Nein, es interessiert mich nicht, wer die Wasserpumpe meines Autos herstellt. Es interessiert mich auch nicht, ob meine Fahrradschläuche von Schwalbe sind. Mich interessiert, ob meine Ersatzteile funktionieren, wie lange sie durchhalten und wieviel sie kosten. Deshalb habe ich dann auch Schläuche im T€DI für 1,99€ gekauft.

Üblicherweise kommt dann das Sicherheitsargument. Doch dafür gibt es ja den TÜV und furchtbar viele Zulassunghürden (dazu gab es auf der SIGINT 12 einen guten Vortrag von Tim und Matthias Krauß). Und die meisten Teile, die man braucht sind ja auch keine Raketenwissenschaft mehr. Mag sein, dass einfache Fahrradschläuche 1950 ein kompliziertes Produkt waren, heute sind sie es nicht mehr. Und falls sie es doch sind, kann es eigentlich nur an irgendwelchen Kopierschutztechniken (in Akkus, Druckertinte, Rasierklingen) liegen, die die Gesellschaft durch geistiges Eigentum auch noch schützt. Wozu frage ich mich?

Warum sollte die Gesellschaft irgendwem ein Sondermonopol einräumen? Glaubt denn irgendwer, es würden keine Macbooks mehr gebaut werden, wenn es eine gute Konkurrenz bei Ersatzakkus gäbe? Warum sind denn alle bereit, diese unverschämten Preisaufschläge zu bezahlen?

Ich verstehe, dass für viele Menschen – da möchte ich mich auch gar nicht ausnehmen – die identitäre Funktion eines Produktes wichtig ist. Aber ist denn die andere Funktion nicht mehr wichtig? Bin ich der_die letzte arme Irre, der_die Dinge kauft, weil ich ihre ursprüngliche Kernfunktion verwenden möchte?

Kann ich bitte einfach eine einfache funktionale Variante haben? Und erweiterte Variante für Leute, die Geltungskonsum betreiben möchten? Danke, wäre nett.

Etwas ältere Literatur dazu gibt es von:

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl